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Zur Anprobe | Mode-Tipps

Selbst die klassischste Bekleidung kann durch eine schlechte Passform in ihrer Wirkung zunichte gemacht werden. Sind sie erst einmal im Anproberaum, umgeben von Spiegeln, Maßbändern und ähnlichen Werkzeugen, treten die meisten Männer jegliches Stilbewusstsein an den Schneider oder Verkäufer ab. In früheren Zeiten, als Herrenbekleidung noch weniger veränderlich war und die Schneider sich mit Dresscodes und Kleidungsstilen auskannten, war dies eine durchaus sinnvolle Methode. Heute hingegen muss der anmessende Schneider oftmals Kleidungsstücke abändern, um den Wünschen des Anzugdesigners oder Ladenbesitzers nachzukommen. Während es immer noch unabhängige Schneider mit der nötigen Erfahrung gibt, fühlt sich die Masse der Schneider eher als Zahnrad in einer großen Verkaufsmaschinerie und will mit so wenig Änderungen wie möglich auskommen - solchen Leuten sollte man sich in Stilfragen nun nicht gerade hundertprozentig anvertrauen.

Zum Glück ist die korrekte Anprobe eines Anzugs nicht die geheimnisvolle Wissenschaft, für die sie oft gehalten wird. Man kann sie lernen. Da ein Anzug stets nach einer Standard-Form geschneidert wurde und keine zwei Menschen exakt den gleichen Körperbau haben, kann höchstens jeder hundertste Mann in einen Anzug von der Stange schlüpfen und feststellen, dass er ohne die geringste Änderung passt. Je mehr Sie selbst darüber wissen, wie Ihre Kleidung an ihren Körperbau angepasst sein sollte, desto eher werden Sie die Schneiderei mit einem elegant geänderten Resultat verlassen.

Wenn Sie das erste mal einen fertigen Anzug anprobieren, der angepasst werden soll, achten Sie darauf, dass Sie Ihr Portemonnaie , Schlüssel, Mobiltelefon und was Sie sonst noch mit sich herumtragen, in der Tasche haben. Warum sollte sich eine Tasche ausbeulen, wenn man den Anzug auch dahingehend anpassen kann? Ebenfalls eine gute Idee ist es, ein repräsentatives Anzughemd mit genau der richtigen Ärmellänge und Kragenhöhe zu tragen oder wenigstens dabei zu haben, um die Anprobe zu erleichtern. Schuhe mit der passenden Absatzhöhe können helfen, die richtige Hosenlänge und Beinweite zu bestimmen.

Mit den richtigen Änderungen können Sie aus einem günstigen Anzug eine Menge herausholen, wogegen eine schlechte Passform selbst die teuerste Handgenähte Kreation ruinieren kann. Wenn der Kragen eines Dreitausend-Euro-Anzuges beim Gehen von ihrem Nacken abspringt, ist dieser Anzug offenbar sein Geld nicht wert. Der zu große Abstand zwischen Kragen und Nacken ist ein klarer Fehler des Schneiders, es sei denn, Sie hätten beim Anprobieren eine unnatürliche Pose eingenommen. Wenn Sie vor dem Spiegel stehen und Jackett und Hose anziehen, stehen Sie in einer natürlichen Körperhaltung - nicht so, als hätten Sie gerade das Bundesverdienstkreuz bekommen oder wollten in nächster Zeit zehn Kilo abnehmen.


Das Jackett

Da wir ja inzwischen wissen, dass der Bau des Jacketts zu dem ihren passen muss, sollten Sie die Anprobe von oben beginnen. Abgesehen davon, dass die Schulterbreite zu ihrem Kopf passen muss, muss das Jackett weit genug sein, um frei von der Schulter in gerader Linie bis zum Ärmel zu fallen. Außerdem benötigen Sie genug Volumen am Rücken und an der Brust, damit das Revers nicht aufspringt.

Dieser Teil der Anprobe kann problematisch sein, da manche Männer, oft in Begleitung ähnlich gesinnter Damen, der Meinung sind, ein perfekt sitzendes Jackett dürfe keine Falten werfen und solle wirken wie aufgemalt. Zumindest sollte über den Schulterblättern genug Raum für einen kleinen Absatz sein, der von unterhalb des Ärmels den Rücken hinaufgeht. Diese Falte sorgt für die notwendige Bewegungsfreiheit und Bequemlichkeit - es sei denn, Sie bevorzugen statt dessen eine perfekt maßgeschneiderte Zwangsjacke.

Die Hälfte aller Jacketts benötigt am Kragen eine Anpassung, damit er am Nacken des Trägers aufliegt. Achten Sie darauf, dass der Kragen nicht absteht oder sich unterhalb des Revers wölbt. In letzterem Fall müsste unter dem Kragen überschüssiges Gewebe entfernt werden. Wenn über den Schulterblättern Spannungsfalten auftreten, ist der Rücken zu eng und muss etwas ausgelassen werden.

Die Höhe des Jackettkragens sollte stets so bemessen sein, dass mindestens ein Zentimeter vom Hemdkragen darüber sichtbar bleibt. So sieht das Jackett nicht nur am besten aus, sondern es hängt und fällt auch richtig. Wäre es höher, würde es am Nacken scheuern, niedriger scheint es vom Nacken abzurutschen. Da verschiedene Stoffe sich hier recht unterschiedlich verhalten, ist diese kleine Anpassung etwas, das die meisten Schneider ohne Probleme beherrschen und häufig anwenden.

Sind Schultern, Brust und Nacken erst zufriednestellend, setzen Sie ihre Inspektion weiter nach unten fort. Die Taille sollte leicht eingezogen sein und der natürlichen Körperform folgen. Ob diese Anpassung zu eng ist, sehen Sie, wenn Sie nach x-förmigen Spannungsstreifen auf Höhe des Taillenknopfes suchen. In diesem Fall lassen Sie die Taille etwas weiter machen.

Das Jackett sollte genug Platz lassen, dass sie mit zugeknöpfter Jacke bequem sitzen können - auch wenn ein im Sitzen aufgeknöpftes Jackett ebenfalls stilistsich unproblematisch ist. Üblicherweise kann der Schneider die Taillenpartie nach Ihrem Geschmack anpassen, aber vermeiden Sie, es so zu übertreiben, dass sich horizontale Falten am Rücken bilden oder die Schlitze des Jacketts offen stehen. Rückenschlitze sollten stets senkrecht in Richtung Boden weisen.

Auch der Ärmel sollte gerade herunterhängen, ohne zu knittern oder sich am Oberarm zu wölben. Wenn Sie ihre Arme eher zu weit hinten oder vorne für Ihren Anzug halten, kann der Ärmel nicht frei fallen und sollte entsprechend angepasst werden. Ein guter Schneider wird Ihnen eine solche Änderung empfehlen (und Ihnen eine Haufen Geld dafür abnehmen). Der Ärmel sollte zum Handgelenk hin etwas schmaler werden und einen Durchmesser von etwa 15 Zentimetern haben - oder gerade so viel, wie er braucht, um die Hemdmanschette zu umschließen.

Die meisten Männer tragen ihre Jackettärmel zu lang, entweder aus sogenannten "modischen" Gründen oder wegen mangelnder Raffinesse ihrer Schneider. Die Richtlinie sollte der Arm sein. Der Ärmel sollte bis zu dem Punkt gehen, wo die Hand auf das Handgelenk trifft. Sind die Arme eher kurz, kann ein guter Zentimeter der Manschette daraus hervor sehen, sind sie länger, dürfen es auch schon einmal gute zwei Zentimeter sein, die die Proportionen des Armes bestärken.

Dieses schmale Band sichtbarer Baumwolle, egal ob mit oder ohne Manschettenknopf, ist eine der Feinheiten, an denen ein Kenner merkt, dass Sie sich zu kleiden wissen.


Die Weste

Zum Anprobieren einer Weste sollten Sie ihr Rückenband festziehen. Der verstellbare Rückengürtel gibt der Weste Kontur und hindert die Weste daran, ihren Oberkörper hoch zu rutschen. Die Brustpartie der Weste sollte großzügig genug geschnitten sein, dass ihr Träger sich bequem hinsetzen kann, ohne dass sie in der Taille weiter wird. Nur ein kleiner Teil der Weste, am besten nicht mehr als der oberste Knopf, sollte unter dem Jackett zu sehen sein. Die Weste muss lang genug sein, um den Hosenbund zu verdecken, sollte aber nicht weiter als bis zum Hüftknochen reichen. Niemals sollte am unteren Rand der Weste ein Stück Hemd oder Gürtel zu sehen sein.

Das Mittel der Wahl, wenn sich zwischen Anzughose und Weste eine Lücke auftut, sind Hosenträger. Sie heben den Hosenbund so an, dass er von der Weste verdeckt wird, und stimmen harmonisch die Bundfalten der Hose mit den signifikanten Punkten der Weste ab.

Westen und Gürtel passen einfach nicht zusammen. Ein Lederband um den Bauch ergibt eine unschöne Wulst um den Hosenbund, und allzu oft rutscht eine mit einem Gürtel geschlossenen Hose etwas ab und legt unterhalb der Weste ein Stück Gürtelschnalle frei.

Sehr hochwertige Westen haben Schlitze an beiden Seiten. Die Rückenschlitze gehen länger nach unten als die Vorderseite, um zu vermeiden, dass der Träger den hinteren Hosenbund entblößt, wenn er sich vorbeugt. Die Vorderseite besonders edler handgeschneiderter Westen ist leicht gerundet, um sich den leichten Wölbungen eines einreihigen Jacketts anzupassen.

Die Knopfleiste ist so angelegt, dass der letzte Knopf nie geschlossen wird. Dieser Brauch lässt sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen, als Edward VII., ein sehr korpulenter Herrscher, nach einer sehr üppigen Mahlzeit vergaß, besagten Knopf zu schließen. Natürlich wurde dieses Missgeschick umgehend von seinen Höflingen aufgenommen und zum Modetrend erklärt.


Die Hosenbeine

Beim Anprobieren von Hosen lautet die goldene Regel, sie so hoch in der Taille zu tragen, wie es gerade noch bequem ist. Liegt die Hose auf der Hüfte auf, hängt der Schritt zu weit herunter und gibt der Hose ein nachlässiges Aussehen. Außerdem neigt die Form der Hüfte dann dazu, Taschen und Bundfalten nach außen zu drängen. Ähnlich wie das Ärmelloch des Jacketts, sollte auch der Schritt so hoch wie noch bequem möglich sitzen, um die Bewegungsfreiheit zu erhalten.

Bei Bundfaltenhosen müssen Hüfte und Oberschenkel voll genug geschnitten sein, dass die Falten flach anliegen und sich auch im Stehen nicht aufziehen. Funktion der Bundfalten ist es, sich der Hüfte anzupassen, wenn sie sich - anatomisch bedingt - beim Hinsetzen etwas weitet. Wenn Sie keine vorne so großzügig gestalteten Hosen tragen möchten, bleiben Sie bei Hosen mit gerader Front. Im Stehen sollte die vordere Bügelfalte über der Mitte der Kniescheibe verlaufen und auf der Mitte des Schuhs enden. Hosenfalten sollten eher auf die Innenseite des Knies zielen, denn außerhalb wirken sie breit - was die meisten Männer eher vermeiden wollen.

Wenn die Hose gelegentlich mit Hosenträgern getragen werden soll, achten Sie darauf, die Hose auch damit anzuprobieren, denn Hosenträger können die Passform der Taille, Rückpartie und Innennähte verändern. Probieren Sie sie stehend, sitzend und mit überkreuzten Beinen aus. Hosen, die ausschließlich mit Hosenträgern getragen werden sollen, sollten an der Taille etwas weiter geschnitten sein, so dass sie quasi von den Schultern herabhängen können.

In der Frage der optimalen Hosenlänge scheiden sich die Geister. In den Vereinigten Staaten werden sie gerne etwas länger getragen und liegen mit leichter Faltenbildung auf dem Schuh auf. In diesem Fall sollten Sie lang genug sein, um die Strümpfe auch im Gehen zu verdecken, und weit genug, dass man die Schnürsenkel nicht sieht. Hosen ohne Aufschläge sollten auf den Absatz hin etwas abfallen, damit das Hosenbein im Gehen nicht flattert. Haben sie Aufschläge, so sollten diese weder so weit noch so schmal sein, dass sie auffallen würden. Bewährt haben sich die Maße von etwa 4 Zentimetern für kleinere Männer, bei größeren auch schon einmal 4,5 Zentimetern.

Eine andere Herangehensweise ist die europäische, oder besser gesagt, die der Mailänder, die ihre Hosen eng geschnitten und etwas zu kurz tragen und dabei sogar etwas von der Socke sehen lassen. In diesem Fall sitzt die Socke nur leicht auf dem Schuh. Signor Luciano Barbera, Direktor einer italienischen Firma für Herrenmode, nennt es die "mittelatlantische Lösung", denn Sie ist halb ziwschen amerikanischem und europäischem Stil angesiedelt. Auch wenn er keine Socken sehen will - die Schuhe sollen Sie durchaus zeigen.




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